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Podcast PIQUALI FM PIQUALI – Circular Skills Lab: Bildung für die Wirtschaft von morgen BIBB NIBB Europäische Union Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend Europäische Union Europäischer Sozialfond Plus (ESF Plus)

Wie wird Kreislaufwirtschaft vom theoretischen Sonntagsgespräch zu einem echten Hebel für unternehmerischen Erfolg? In der zweiten Episode von PIQUALI FM spricht Michael Carl (Host, Carls Zukunft) mit Dr. Claas Oehlmann (Geschäftsführer der BDI-Initiative Circular Economy) darüber, warum Zirkularität die unternehmerische Freiheit sichert, welche Hürden im linearen Denken liegen und wie der Wandel gelingt.

  • Kreislaufwirtschaft sichert langfristig die unternehmerische Freiheit und Rohstoffsicherheit: Wer sich kurz-, mittel- und langfristig seine unternehmerische Freiheit und die Kontrolle über Produkte und Rohstoffe erhalten will, kommt an Zirkularität kaum vorbei. Angesichts globaler Krisen, geopolitischer Erschütterungen und der Abhängigkeit von primären Rohstoffen gewinnen geschlossene Stoffkreisläufe massiv an strategischer Bedeutung. Das Thema ist damit weit mehr als eine grüne Sonderlocke, sondern ein essenzieller Faktor für die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen.

  • Netzwerkübergreifendes Denken bricht die Logik des kurzfristigen Wirtschaftens auf: Ein zentraler Bremsklotz für den Wandel ist die Kurzfristigkeit der Betriebswirtschaft und das Festhalten an linearer Perfektion. Da derjenige, der das Produktdesign anpasst, im aktuellen System nicht automatisch selbst profitiert, erfordert die Transformation den Mut zu tiefgreifenden Kooperationen und neuen Netzwerken. Unternehmen müssen lernen, über ihren eigenen Tellerrand und über kurze Quartalsberichte hinaus in Dekaden zu denken.

  • Zirkularität als positives ökonomisches Narrativ und Zukunftsfeld: Statt rein moralischer Appelle muss Kreislaufwirtschaft als klare ökonomische Chance und Wachstumsmotor begriffen werden. Ein positiver Wandel zeigt sich bereits bei der jüngeren Generation an Hochschulen, die Nachhaltigkeit und zirkuläres Denken ganz selbstverständlich in die Curricula und den Berufseinstieg integrieren. Trotz wirtschaftlicher Hürden wachsen die Netzwerke und das Bewusstsein in der Industrie, dass der systematische Wandel hin zu langlebigen Produkten und Refurbishment das entscheidende Zukunftsmodell darstellt.

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Dies ist PIQUALI FM. Die Kreislaufwirtschaft, die wir brauchen, ist kein rein technisches Thema,
sondern ein Transformationsprozess von Organisationen. Wir fragen, wie können wir das lernen.
Dies ist der Podcast zum Projekt. PIQUALI heißt das Projekt, das hinter diesem Podcast steht.
Michael Carl ist mein Name und wir erkunden mit diesem Projekt PIQUALI, wie wir
Kreislaufwirtschaft, Circular Economy stärker als Kulturthema verstehen können, als Frage der
Haltung.
Und ob wir nicht auf diese Weise dem Ganzen einen kleinen Schub geben können, was mir
persönlich gut gefallen würde, weil ich Kreislaufwirtschaft im Grunde für eine sehr naheliegende
und sehr überzeugende Idee halte. Soviel zu meinem Mindset. Es geht also, wenn wir in diesem
Podcast reden, weniger um technische Fragen.
Die muss man in Anleitungen nachlesen und in Verordnungen. Aber möglicherweise greift es
eben zu kurz, wenn man sich nur darauf verlässt. Wie greifen wir aber dann?
Das möchte ich diskutieren und ich habe dafür einen hochinteressanten Gast. Ich freue mich auf
das Gespräch. Claas ist hier.
Hallo, grüße dich. Hallo Michael. Du, Claas Oehlmann, einmal den ganzen Namen, bist Jurist und
Politologe.
Spannende Kombination. Darüber reden wir in einem anderen Podcast einmal, wie sich das so
miteinander kombiniert. Du bist Geschäftsführer der BDI-Initiative Kreislaufwirtschaft.
Gehörst also in das ganze Feld vom Bundesverband der deutschen Industrie. Guckst also aus
einer ganz spezifischen Sicht auf dieses Thema Kreislaufwirtschaft. Wenn du mit so einem
klassischen Industrielenker sprichst, wie erklärst du dem, dass Kreislaufwirtschaft nicht irgendwie
für schöne Sonntagsreden gut ist und irgendwie noch eine grüne Sonderlocke ist, sondern dass
es da tatsächlich im positiven Sinne ans Eingemachte geht?
[Speaker 1] (2:01 – 3:00)
Ja, also für Sonntagsreden ist es natürlich immer ein schönes Thema, auch schon ganz lange.
Die Frage, die du richtigerweise, finde ich, stellst, ist, was hat der Unternehmer denn davon,
wenn er das in seinem Unternehmen auch als Strategie verfolgt? Und mein klarer Wunsch ist,
wenn du dir kurz-
, mittel- und langfristig deine unternehmerische Freiheit erhalten willst, selber zu
entscheiden, was du mit deinem Unternehmen und deinen Produkten tust, dann führt zumindest
in Teilen an Kreislaufwirtschaft, an Zirkularität kein Weg vorbei.
Sei es, was die Beschaffung von Rohstoffen angeht, die Sicherheit der Versorgung mit
Rohstoffen, aber auch die Wahl der Geschäftspartner und die Möglichkeit, in Kooperationen
Neues zu entwickeln. Da würde ich sagen, also wenn du deine unternehmerische Freiheit, wenn
die dir wichtig ist, dann solltest du dich zumindest in irgendeiner Form mit dem Thema Zirkularität
und Kreislauf auseinandersetzen.
[Speaker 2] (3:01 – 3:13)
Das ist so naheliegend. Und ich unterschreibe jedes Wort, was du gerade gesagt hast. Das
müsste ja auch jeden sofort überzeugen.
Ist das der Grund, warum wir seit 10, 15 Jahren überall nur noch Kreislaufwirtschaft haben?
[Speaker 1] (3:14 – 3:29)
Ja, genau. Nein, das ist natürlich nichts. Irgendwo ist eher der Boden drin, oder nicht?
Genau. Ich kenne wirklich wenige Themen, über die man so konsensual sprechen kann, ohne
dass wir da, wo wir gerne hinwollten, wären.
[Speaker 2] (3:29 – 3:31)
Also ohne, dass was passiert, ne? Ja.
[Speaker 1] (3:32 – 5:02)
Also es ist wirklich gut. Man ist sich auch mit ganz vielen Menschen einfach einig, dass es gut ist
und so. Es ist schön, wenn man Konsens mal im Gespräch braucht.
Aber klar, du hast recht. Warum sind wir denn nicht schon in der Kreislaufwirtschaft? Oder in der
breiten Skalierung und um uns herum denken wir, das ist ein Kreislauf.
Das ist es ja nun mal nicht. Und ich glaube, das hat sehr viel mit Betriebswirtschaft und der
Kurzfristigkeit von Betriebswirtschaft zu tun. Es hat auch was mit dem geopolitischen Umfeld zu
tun.
Also, dass wir nicht die Einzigen auf der Welt sind und andere sehr genau wissen, wie sie
Rohstoffabhängigkeiten im Primärbereich aufrechterhalten. Und dann hat es was damit zu tun,
dass wir nach industriellen Revolutionen und linearer Perfektion schon auch Denkschwierigkeiten
haben, da rauszukommen. Wenn ich in den letzten Jahren das Wertschöpfungssystem so toll
durchoptimiert habe und jetzt sage, ja gut, jetzt muss ich investieren, damit ich im Kreislauf auf
einmal alles machen kann, muss ich alles umstellen.
Aber ich verdiene doch gerade noch so Geld. Nein, nicht. Also kurzfristiges Denken, klar.
Aber diese Kombination, glaube ich, führt ein bisschen dazu, dass wir das, was wir vielleicht
sehen, also neben den juristischen, technischen Hürden und so, die wir vielleicht noch haben,
dass wir nicht so richtig an den an den breiten Punkt, jetzt setzen wir das als Industriestandort
mal um und definieren uns darauf zu überkommen.
[Speaker 2] (5:03 – 5:16)
Finde ich hochinteressant, dass du jetzt genau mit diesen Themen von wie denken wir eigentlich
kommst. Offensichtlich haben wir es wirklich mit einem Shift im Mindset zu tun, oder?
[Speaker 1] (5:17 – 6:55)
Ja, ja. Es ist im vielen Teil ein Mindset-Shift, eine Aufmerksamkeitsfrage, ein Mindset-Shift und
die Fähigkeit, in längeren Dekaden als drei Monaten zu denken, sage ich mal, was so
Berichtspflichten, jetzt am Finanzmarkt anginge. Das passt natürlich zur Kreislaufwirtschaft
genauso wenig wie zu anderen Nachhaltigkeitsthemen besonders gut.
Aber es ist eine Frage des Denkansatzes, weil ich betrachte meinen kleinen Ausschnitt im
Wertschöpfungssystem und optimiere den, das ist mein Job als Unternehmen, hin zu, ich habe
ein System im Kreislauf, wo alles irgendwie miteinander interagieren muss, damit dieser Kreislauf
funktioniert. Und da steigen, glaube ich, schon manche Leute aus und sagen, wieso soll ich mir
denn die Gedanken im Wertschöpfungskreislauf von denen machen, die dafür eigentlich da sind.
Und ich habe da gar nichts von.
Also wir versuchen ja ein Thema, von dem wir volkswirtschaftlich ganz viele Benefits sehen,
betriebswirtschaftlich zu integrieren. Und diese großen Benefits, die fallen ja manchmal nicht da
an, wo man die Weichen für die Kreislaufwirtschaft stellt. Wenn ich ein Produktdesign optimiere,
bin ich nicht zwangsläufig derjenige, der am Ende auch davon profitiert im Moment in unserem
System.
Das macht es ein bisschen schwer, die betriebswirtschaftliche Ebene hinter diesen großen
volkswirtschaftlichen Traum zu schieben, aber, oder davor am besten noch, aber da müssen wir
hin, es hilft ja nichts. Und das ist das, was wir sehr viel diskutieren im Moment bei der
Druckabwahrung im Moment sehr große, ökonomisch.
[Speaker 2] (6:56 – 7:56)
Ja, na klar. Und der Freiheitsdruck ja auch. Der Freiheit war das erste Stichwort, was du genannt
hast.
Zwischen den Zeilen hast du ein Thema angesprochen, was zu meinen Leidenschaftsthemen
beim Thema Kreislaufwirtschaft gehört. Wenn der eine sein Produkt auf Kreislauf umstellt, ist er
nicht unbedingt derjenige, der profitiert. Die Konsequenz kann doch nicht sein, zu sagen, dann
machen wir es halt nicht, verbrennen wir halt weiter Gas und Öl.
Also das kann ja nicht zufriedenstellend sein. Die Konsequenz muss doch sein, dann suche ich
mir eben Partner, dann mache ich das eben nicht allein. Und was, wenn man das mal für sich
durchdacht hat, was das eigentlich bedeutet, wenn ich unternehmerisch nicht mehr alleine im
Wind stehe, sondern mich in Netzwerken so tief organisiere, dann profitieren alle davon, dann
stehe ich sicherer da, habe entsprechend mehr Handlungsfreiheit etc.
Ab dann wird es doch ganz leicht. Scheint mir so ein Schlüssel zu sein. Wie schätzt du das ein?
[Speaker 1] (7:57 – 9:57)
Ist auf jeden Fall ein Faktor und auch ein Schlüssel, dieser Switch hin in Netzwerke zu denken, in
neuen Netzwerken und Kooperationen. Ist ganz, ganz wichtig. Wir machen jetzt seit fünf Jahren
eine Initiative Netzwerkarbeit.
Das ist ein relativ weiter Weg. Es stehen auch viele Ängste vor Kartellrecht und vor sonstigen
Wettbewerbsthemen. Aber der Punkt ist natürlich, wenn ich, ich mache mal ein Beispiel, wenn ich
einen Auto baue und das ist irgendwie kreislauffähig, seine Komponenten, wie auch immer, das
greift auf Circular Economy Rohstoffe zurück, dann ist es ja gut.
Wenn ich aber sage, ich baue hier nur das Auto und das hat dann 27 Nutzungszyklen in
Deutschland, dann nochmal in Bulgarien und dann nochmal ganz woanders, aber das ist ja nicht
mehr mein Job, mich darum zu kümmern, dann wird es nicht gelingen, wenn ich sozusagen nur
meinen Punkt sehe, am Anfang ich baue das schöne Auto und dann der Rest ist not my Job.
Besser wäre ja der Blick zu sagen, ich baue hier ein Auto und am Ende habe ich Zugriff auf das,
was ich da mal gebaut habe. Ich kenne mich erstens am besten damit aus, was ich damals da
ingenieursmäßig reingepackt habe, deswegen weiß ich auch am besten, wie ich es eigentlich
wieder rauskriege.
Natürlich sind das langlebige Güter. Ich weiß nicht, wie in 20 Jahren die Welt aussieht, aber wir
müssen halt mal anfangen damit, damit wir in 20 Jahren überhaupt eine Chance haben oder in
25 auf so ein Lager zurückzugreifen. Und ich glaube, da beginnen gerade Umdenkprozesse.
Es fängt an, auch wegen des hohen Drucks von außen, aber es ist je nach Produktgruppe sage
ich mal schwieriger. Der Joghurtbecher ist halt irgendwie ein bisschen einfacher zu handeln als
ein Fahrzeug oder eine Maschine, aber klar, das gleiche Prinzip zieht sich durch alle Produkte.
[Speaker 2] (9:57 – 10:14)
Ja, und das mit dem Komplizierten. Ich bin nicht sicher, ob ich das Menschen durchgehen lassen
würde als Ausrede, weil da steckt ja noch ein entsprechend großer Konzern dahinter mit einer
entsprechend geballten Qualifikation. Also da bin ich noch fern von Mitleid.
Das müsste man ja eigentlich als Herausforderung verstehen können.
[Speaker 1] (10:19 – 10:48)
Klar, hochintegrierte Großunternehmen haben eher die Herausforderung überhaupt nicht noch,
die ganzen Zulieferprozesse so zu managen, dass sie noch wissen, was sie tun. Aber logisch, ich
habe eine ganz andere Skalierungsmöglichkeit. Das muss man ja auch sehen.
Und Marktmacht, das sieht man ja auch an anderen Stellen. Von daher ist die Herausforderung
eine andere. Ob sie größer oder kleiner ist, kann man im Detail nicht besprechen.
[Speaker 2] (10:48 – 11:37)
Den Punkt gebe ich gerne zu. Das ist sicher im Einzelfall dann sehr unterschiedlich. Aber ich
würde gerne mal auf Entwicklungen gucken.
Das erste Stichwort, was du genannt hast, war Freiheit. Und das sieht man ja zum Beispiel bei
unserer Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen. Abgesehen davon, dass wir ja dieses Klimathema
haben, machen sie uns ja abhängig von anderen Volkswirtschaften, von anderen politischen
Systemen, weil wir fast nichts davon, gemessen an unserem Verbrauch, hier direkt bei uns
finden.
Das heißt, im Grunde müssten wir das Freiheitsthema direkt sehen. Je weniger wir dort abhängig
sind, desto mehr perspektivische Sicherheit und Handlungsfreiheit haben wir. Hast du den
Eindruck, dass dieser Gedanke in den letzten zwei, drei, vier, fünf Jahren an Gewicht gewonnen
hat?
[Speaker 1] (11:38 – 13:06)
Ja, definitiv. Ich würde sagen, seit 2020, also seit Covid und den darauffolgenden weltweiten
Schocks, dann gab es auch mal, das hat man später fast vergessen, auch mal beim Panama-
Kanal da Probleme. Immer, wenn solche Sachen auftauchen, davon gab es wirklich in den
letzten sechs Jahren ganz viele, wo die Verflechtungen des Welthandels und diese Vulnerabilität
dieses Systems sichtbar wurden.
Das Bewusstsein ist definitiv gestiegen. Wir haben andere Debatten als vor fünf Jahren, das ist
völlig klar. Wir haben allerdings auch, glaube ich, noch Luft nach oben, was die Schlüsse angeht
aus diesem Ereignis.
Das Thema Kohlenstoffkreislauf, sage ich jetzt mal, das ist in der Theorie ganz schön, ja. Aber
allein die Skalierung, da sind wir auch noch am Anfang. Wir machen dazu jetzt auch mit unseren
Mitgliedern im November mal wieder einen großen Workshop.
Skalierung dieser ganzen Kohlenstoffkreislauftechnologien, das ist halt unerlässlich. Und da
stehen wir ja hoffentlich nach wie vor alle zu. Das Thema CO2-Emissionsreduktion 2045, 2050,
wenn wir da irgendwie hinkommen wollen, und es sind nur noch 20 Jahre, dann muss es da ganz
schön schnell gehen.
[Speaker 2] (13:06 – 13:08)
Und es wäre nicht schlecht, wenn wir ein, zwei Jahre früher da landen.
[Speaker 1] (13:10 – 13:37)
Und da dieses Thema Kohlenstoffkreisläufe zu skalieren, das ist unerlässlich. Anders würde es
nicht gehen. Wir haben nur diese Quelle CO2, wir haben Kunststoffe, klar, wir haben Biomasse,
aber wir wollen ja auch nicht breit skaliert eine Biomasseproduktion, die dann in den
Konkurrenznutzen gegen Lebensmittel geht.
Das ist ja auch nicht das Ziel.
[Speaker 2] (13:37 – 14:18)
Ja, genau. Wir haben nicht genug zu essen, weil auf dem Feld steht nur noch Mais, den wir dafür
brauchen, Biomasse herzustellen. Da steht für meinen Geschmack eh genug Mais rum.
Aber das ist eine persönliche Anmerkung. Wenn du mit euren Mitgliedsunternehmen sprichst,
wenn ihr zusammen arbeitet, ich setze voraus, wahrscheinlich fällt es dir nicht schwer, da
durchaus auf Expertise zu treffen. Was wird in der Perspektive der Unternehmen als wesentlicher
Hemmschuh beschrieben auf dem Weg zu einer Kreislaufwirtschaft?
Und was wird als wesentlicher Treiber beschrieben?
[Speaker 1] (14:19 – 15:00)
Ja, das ist im Moment wirklich ganz spannend zu beobachten. Du hattest ja vorhin schon mal
auch dieses Thema Rechtsrahmen und Regulierung gesprochen, über die wir uns ja auch ganz
viel beklagen, an ganz vielen Stellen und Berichtspflichten und Duophatie und so weiter. Wir
haben im Bereich der Kreislaufwirtschaft ein bisschen eine anders gelagerte Debatte.
Viele sagen, wir wollen und brauchen ganz dringend Regeln, um Regelsetzer, sei es europäisch
oder national, damit ich A, B, C in der Kreislaufwirtschaft im Letzten Fall. Das hört man im
Moment nicht mehr oft in der Wirtschaft.
[Speaker 2] (15:01 – 15:03)
Den Ruf nach mehr Regeln meinst du, ja?
[Speaker 1] (15:03 – 17:25)
Genau, oder anderen. Wir haben ja eher ein anderes Narrativ im Moment. Alles zurückschneiden
und dann wird alles gut.
Das haben wir nicht. Also dieses Ringen um die richtigen Regeln, das ist bei uns noch total im
Gange und auch an der Sache orientiert. Das ist natürlich aber zweischneidig.
Ich werde nicht darauf warten können, dass jeder die Regeln hat, die er gerne hätte, damit sein
spezifischer Fall funktioniert. Ich kann mir das nicht vorstellen. Das funktioniert ja auch nicht.
Wir müssen am Ende ein Kollektivruf irgendwie erzeugen. Und deswegen ist das, glaube ich,
einerseits eine ganz wichtige Debatte, die auch befügeln kann. Das sieht man auch.
Wir erwarten immer noch ganz viele Berechnungsmethoden, technische Zeugnisse, das ist auch
wichtig, damit Unternehmen arbeiten können. Aber ich kann nun auch nicht darauf warten.
Deswegen zweites Thema, also dieses Befügeln ist, glaube ich, schon diese spürbare
geopolitische und rohstoffpolitische Dimension.
Das ist das befügeltes Thema tatsächlich. Das ist so bei den rohstoffintensiven und abhängigen
Produktionen ganz besonders. Aber, und das ist eigentlich eine gute Entwicklung bei all dem,
dass wir aus schlechten weltweiten Entwicklungen sowas ableiten.
Wir kriegen auch immer mehr den Fokus nicht mehr auf dieses Thema Recycling, sondern auf
das Thema Refurbishment, Remanufacturing. Wie kann ich Langlebigkeit bei Anlagen und
Reparierbarkeit erzeugen? Dass Unternehmen sich das auch trauen und nicht sagen, ach nee,
dann bin ich Abfallerzeuger, das traut mich jetzt nicht, dann kommt die Behörde und macht mir
den Laden zu.
Also diese Debatten kriegen wir immer mehr, weil Langlebigkeit schon in vielen Bereichen,
gerade der produzierenden Industrie in Deutschland, im Maschinenbau und bei Energiesystemen
und Transformatoren, ein hohes Know-how hat und die sind auch langlebig. Das Interesse, wie
lange laufen die eigentlich, wo und wem gehören die und wie kann ich die reparieren, da kriegen
wir immer mehr den Fokus drauf. Das ist eine wirklich positive Entwicklung.
Wir haben auch eine große Studie nochmal gemacht mit BCG dieses Jahr. Da haben wir das
Thema Maschinenbau und erneuerbare Energiensysteme auch gewusst nach vorne gezogen,
um mal zu zeigen, es ist eben nicht nur das Recycling, sondern die GR-Strategien, alles, was so
Refurbery, Manufacturing ist, da haben wir echt gutes Know-how. Wir wissen schon auch in
Deutschland immer noch gut, wie man Maschinen repariert.
[Speaker 2] (17:25 – 17:55)
Ja, naja und ich meine, man liest jeden zweiten Tag in der Zeitung, dass ganz viele Menschen,
die sich mit Maschinen auskennen und deren Bau und ursprünglich deren auch Pflege, ja
möglicherweise bald viel Tagesfreizeit haben. Sprich, da ist ja auch jede Menge Potenzial. Das
ist immer das, was mich so ein bisschen, naja, wo ich denke, müssen wir eigentlich so mutlos
sein.
Ich halte dieses Feld für ein gigantisches Wachstumsfeld und für ein gigantisches
Entwicklungsfeld und nichts hält uns ab, außer dass wir anfangen müssen.
[Speaker 1] (17:56 – 18:49)
Ja und das war auch die Zielbotschaft dieses Projekts, was wir gemacht haben mit vielen
Unternehmen und Verbänden nochmal. Es gibt ja schon ganz viele Studien zu diesem Thema,
könnte auch sein, wir haben ja so eigentlich mal alles gesagt. Unser Punkt war als Narrativ in
diesem Fall, es ist eine Chance, wir können es auch jetzt schon machen.
Klar, können wir auch, also müssen wir diese Debatte umregeln und schon Levelplägen, das
machen wir alles weiter, selbstverständlich. Aber es gibt hier was zu gewinnen für die
Unternehmen, sei es ein Wachstum, sei es ein Versorgungssicherheitsthema und so und das
sollte die Kernbotschaft sein. Das haben wir versucht herauszustellen.
Das liegt da und wir müssen, gerade in diesen Zeiten, wo es Unternehmen an vielen Stellen gar
nicht mehr so leicht ist, was zu gewinnen, im Moment hier ist noch was. Es ist ein Positivklima.
[Speaker 2] (18:49 – 19:19)
Wenn ich das weiterdenke, müsste die Botschaft doch nicht sein, ihr Lieben, denkt über
Kreislaufwirtschaft nach, weil wir damit unser Klima schonen, weil wir damit verträglicher sind,
langlebiger sind, sondern die Botschaft müsste doch eigentlich sein, wenn ihr ganz nüchtern
euren Erfolg sucht, in Zeiten, wo das gar nicht so einfach ist, wo einem das nicht in den Schoß
fällt, dann lohnt der Blick Kreislaufwirtschaft als Mittel dafür zu begreifen.
[Speaker 1] (19:20 – 19:59)
Ja, das ist definitiv so. Diese ganzen positiven Effekte, die du auch eben erwähnt hast, also CO2,
Reduktionen und so weiter, das ist, gerade vollständig gesehen, völlig unstrittig, aber wenn ich
aus einer Perspektive des Unternehmens, der Unternehmenden mir das anschaue, denke ich,
das ist der Antrieb, muss sein, ich schaue mir das an, weil ich da was holen kann. Das kann sein,
dass ich dafür ein bisschen was verändern muss, in mir selbst, im Unternehmen und so weiter,
mit meinen Partnern, die ich verkehrt habe, aber da steckt Potenzial drin und davon haben wir
gar nicht mehr überall ganz viel im Moment.
Das ist kein Selbststolz mehr.
[Speaker 2] (20:00 – 20:17)
Und schon ist das ja eine ganz andere Geschichte. Schon ist das ja auch völlig raus aus dieser
Ecke von, hier braucht es den guten Menschen mit den moralischen Maßstäben, der
entsprechend sein Unternehmen führt. Soll er doch egoistisch sein, wie er will.
Hauptsache, er kriegt diese Kurve.
[Speaker 1] (20:17 – 20:32)
Genau, das wäre der ideale Fall, dass man unter der Beobachtung eines jüdisch korrekten
Unternehmertums den Kreislauf einfach als ökonomische Chance für das Unternehmen bereitet.
[Speaker 2] (20:33 – 21:03)
Wenn wir uns mal andersrum fragen, hat die alte, die lineare Welt, die uns ja andauernd umgibt,
wo würdest du sagen, was ist so ein Symbol oder so ein Produkt der linearen Welt, wo wir in 20
Jahren sagen werden, wir wissen eigentlich gar nicht, wie wir das unseren Kindern erklären
können, dass wir gesellschaftlich mal solche Sachen gemacht haben. Hast du da so ein
prägnantes Beispiel im Sinn?
[Speaker 1] (21:04 – 22:38)
Also ich habe da tatsächlich, wir fallen da einige Sachen ein, also was ist möglich, also das ist in
keiner Weise jetzt irgendwie despektiertlich gemeint gegenüber den Kolleginnen und Kollegen,
die da arbeiten, aber für mich ist dieses, der kommunale Wertstock, ist für mich ein Symbol dafür,
dass wir noch echt ein paar Schritte zu gehen haben. Wenn ich dahin gehe, der hat aus Gründen
vielleicht nicht gerade immer geöffnet, wenn man dafür Zeit hat, dann wirft man da so Sachen in
so Container rein und dann stelle ich mir vor, wenn ich da stehe, das ist jetzt unsere
Kreislaufwirtschaft, dann denke ich nie, also wahrscheinlich nicht. Ich hoffe, dass wir in 25, 20
Jahren diese Orte vielleicht eher so aus dem Bilderbuch oder vielleicht aus meinem Film kennen
und sagen, so haben wir das früher gemacht.
Und jetzt haben wir aber hier Geräte, was auch immer, wo wir direkt wissen, das soll weiterleben
oder es muss zurück in den Kreislauf und dafür haben wir gleich den richtigen Orden, das ist
selbstverständlich. Und das ist jetzt eine Entledigung von einem Müll, wo dann irgendein
Container wartet. Also das wäre für mich eine Hoffnung, dass wir da rauskommen und in eine
qualitative Richtung kommen.
Eine weitere persönliche Hoffnung ist, dass wir irgendwann, das ist vielleicht auch wieder eine
kulturelle Frage, vielleicht doch davon wegkommen, jedes Jahr in Deutschland ein, zwei
Milliarden Turbobecher zu verbrauchen, weil man den Kaffee unterwegs braucht. Ich hoffe, da
kommen wir auch nochmal raus.
[Speaker 2] (22:39 – 23:20)
Ich habe mal Irrsinnszahlen über den Verbrauch von Kaffeebechern gelesen. Ich kann sie jetzt
aus dem Handgelenk nicht mehr abrufen, aber ich weiß, dass ich das in Vorträgen genutzt habe
und gesagt, irgendwann im Laufe eines Vortrags gesagt habe, also seitdem ich hier rede, wurden
in Deutschland 20.000 Kaffeebecher in die Gegend geschmissen oder irgendwie so eine
gewaltige Menge. Als hätten wir nicht alle Becher zu Hause.
Also ich schließe mich da ausdrücklich ein. Wie optimistisch bist du, und damit schließen wir den
Kreis unseres Gesprächs, wie optimistisch bist du, dass wir das in einer vertretbar sinnvollen Zeit
tatsächlich einfach als die Normalität etablieren, in Kreisläufen zu denken?
[Speaker 1] (23:21 – 25:34)
Ich bin durchaus optimistisch, dass wir gerade in einer Phase sind, wo wir wirklich etwas
verändern können. Zwei, drei Aspekte machen mich optimistisch. Wir haben auch ein paar
wissenschaftsaktuelle Universitäten bei uns mit dem Netzwerk und ich sehe schon, dass gerade
auch an Unis die Personen, die jetzt anfangen, die jetzt ihre Abschlüsse machen, ich habe auch
selber mal ein Seminar in einer Hochschule gemacht, da sehe ich schon Veränderungen im
Denken in den Generationen.
Das Thema findet auch Eingang in die Curricula, auch in die wirtschaftswissenschaftlichen, nicht
nur die technischen oder kulturellen. Das ist gut, das macht mich optimistisch, dass die jungen
Menschen, die jetzt in die Jobs gehen, von Anfang an einen anderen Blick auf dieses Thema
haben. Das finde ich gut.
Ich glaube auch, dass wir in Europa, in Deutschland gerade auf der Suche nach unserer Rolle
auch in dieser Welt sind, was die Systeme und Wirtschaftssysteme angeht und ich glaube, da
haben wir hier ein Positiv-Narrativ, was wir, das dürfen wir auch selbstbewusst sagen, was wir
auch ein bisschen beschützen dürfen. Der internationale Handel hat hier viel Wohlstand
gemacht, das ist überhaupt keine Frage, aber wenn wir die Letzten auf der Welt sind, die sagen,
freier Handel für alle und alle anderen machen es nicht mehr, dann sind wir als Europa auch
schlecht beraten. Ich glaube, diese Rolle, die wir suchen als Akteur dieser Welt, da ist
Kreislaufwirtschaft ein positives Angebot.
Das macht mich optimistisch und was mich auch optimistisch macht, ist, dass wir in einer Zeit, in
der es gerade in der Industrie, wo wir jeden Monat 15.000 industrielle Arbeitsplätze in
Deutschland verlieren, trotzdem immer noch in unseren Netzwerken einen Aufwind spüren, dass
wir Zuwächse haben, an Unternehmen das Thema aufgreifen und das trägt schon in all dem, was
ja im Moment auch einen weniger optimistisch auf diese Welt blicken lässt, das voranzutreiben
und zu hoffen, dass wir wirklich so einen systematischen Wechsel hinbekommen und ich hoffe,
dass wir in so fünf bis zehn Jahren sagen können, jetzt hat sich echt auch was an den Zahlen
geändert, wie wir mit Ressourcen umgehen
[Speaker 2] (25:36 – 26:34)
Wir werden das tracken. Sowohl den Wandel im Mindset als auch den von dir angesprochenen
Zahlen, denn am Schluss muss es sich ja da auch materialisieren, wenn wir uns auf der anderen
Seite anders verhalten. Sehr spannende Perspektive, Claas Oelmann.
Wer über das, was du tust mit der Initiative Kreislaufwirtschaft beim Bundesverband der
deutschen Industrie mehr wissen möchte, wir verlinken in den Shownotes natürlich, wo man dich
findet, wo man mehr sehen kann etc. pp. Wer uns Reaktionen auf diesen Podcast geben möchte,
immer her damit.
Auch das, finde ich, ist irgendwie im Geiste von Circular Economy gesprochen. Wir sind ja nicht
fertig, wir fangen ja gerade erst an. Also müssen wir zusammenarbeiten, haben wir darüber
gesprochen und zusammen darüber reden.
Also bitte schreibt uns auf allen Wegen, die zur Verfügung stehen und dann nehmen wir das auf
und drehen die Angelegenheit immer weiter.Claas, ganz herzlichen Dank für deine Zeit.
[Speaker 1] (26:34 – 26:36)
Ja, vielen Dank für die Einladung.
[Speaker 2] (26:36 – 27:00)
Das war PIQUALI FM. Das Projekt PIQUALI wird im Rahmen des Programms Nachhaltig im Beruf
zukunftsorientiert ausbilden, NIB, durch das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren,
Frauen und Jugend und die Europäische Union über den Europäischen Sozialfonds Plus, ESF
Plus, gefördert.