
Wie gelingt der Umstieg von einer linearen Ökonomie auf eine echte Kreislaufwirtschaft in kleinen und mittleren Unternehmen? In der Auftaktfolge von PIQUALI FM stellen Michael Carl und Luise Angermann gemeinsam mit den Projektpartnern das Projekt vor und zeigen, warum zirkuläre Transformation vor allem ein organisatorischer und psychologischer Lernprozess ist.
- Kreislaufwirtschaft ist primär ein organisatorischer und psychologischer Transformationsprozess: Zirkuläres Handeln scheitert in KMU selten an rein technologischem Wissen, sondern an tief verankerten Glaubenssätzen und Barrieren im Denken. Um echte Veränderungen zu bewirken, setzt PIQUALI gezielt bei Führungskräften und Entscheidern an, da hier die maßgeblichen Hebel für Veränderung liegen. Durch die Verknüpfung von fachlichen Qualifizierungen mit psychologischen Methoden zur Überwindung von Hürden gelingt der Schritt von der Theorie in die betriebliche Praxis.
- Die Raumfahrt dient als ultimative Blaupause für geschlossene Stoffkreisläufe: Unter den extremen Bedingungen im All sind Ressourcen drastisch limitiert, weshalb jedes System vollständig autark und kreislauffähig gestaltet sein muss. Die dort eingesetzten Technologien und Materialien stammen aus unterschiedlichsten Branchen von der Elektronik bis zur Automobilzulieferung. Dieser cross-sektorale Ansatz lässt sich direkt auf kleine und mittlere Unternehmen übertragen, um praxistaugliche zirkuläre Lösungen branchenübergreifend zu etablieren.
- Nachhaltiger Erfolg entsteht durch einen tiefgreifenden Mindset-Shift in allen Unternehmensprozessen: Das Ziel des Projekts PIQUALI besteht darin, zirkuläres Denken von Grund auf in die täglichen beruflichen Abläufe einzubinden. Statt isolierter Einzelmaßnahmen erfordert die Transformation eine geschlossene Wertschöpfungslogik über sämtliche Hierarchieebenen hinweg. Über die Projektlaufzeit von 33 Monaten werden praxiserprobte Module entwickelt und erprobt, die Unternehmen dabei unterstützen, langfristig wettbewerbs- und zukunftsfähig zu bleiben.
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Dies ist PIQUALI FM. Die Kreislaufwirtschaft, die wir brauchen, ist kein rein technisches Thema,
sondern ein Transformationsprozess von Organisationen. Wir fragen, wie können wir das lernen?
Dies ist der Podcast zum Projekt. Dies ist ein Podcast und dies ist unsere erste Folge von
PIQUALI FM. Michael Carl ist mein Name und neben mir sitzt meine wunderbare Kollegin Luise.
Luise, sag Hallo. Hallo. Wir machen diesen Podcast im Rahmen des Projekts PIQUALI FM. Warum
machen wir den Podcast? Wir reden darüber, damit man merkt, was wir tun, oder? Wie würdest
du das zusammenfassen? Wir wollen euch zeigen, wo wir stehen, welche Schritte vor uns liegen,
was wir erreicht haben.
Das ist ein relativ lang laufendes Projekt, 33 Monate insgesamt. Entsprechend legen wir nicht
jetzt schon ins letzte Detail fest, was wir im Podcast machen, aber unser Versprechen daran
sollten wir uns messen lassen. Wir wollen das nützlich machen.
Wir wollen das hilfreich machen. Das heißt, hier werden wir in Folgen die Ergebnisse aufbereiten,
so dass Menschen sich das anhören können und es dann auch umsetzen können in ihre
berufliche Praxis. Das ist jetzt ein großes Versprechen, aber dazu stehen wir, oder? Genau.
Und heute wollen wir beginnen mit der Vorstellung und was wir eigentlich so machen. Wer diese
Folge gehört hat, der sollte kennenlernen, wer in dem Projekt arbeitet und sollte hinterher wissen,
warum und wie wir das tun. Du hast so eine wunderbare Formulierung, Luise.
Ich hoffe, du kannst jetzt ganz tief Luft holen. Der Satz ist lang, das sage ich vorweg. Worum geht
es bei PIQUALI FM? PIQUALI hat zum Ziel, praxisnah und bedarfsorientierte Weiterbildungs- und
Lernformate zu entwickeln, die Fach- und Führungskräfte sowie Auszubildende in kleinen und
mittelständischen Unternehmen dabei unterstützen, Prinzipien der Circular Economy in ihre
täglichen beruflichen Tätigkeiten und betrieblichen Prozesse zu integrieren.
Das ist jetzt so ein wunderbarer Satz, den müssen wir kurz auseinandernehmen. Also es geht um
kleinere, mittlere Unternehmen, das heißt Hands-on. Ich brauche nicht 50 Leute
Personalentwicklung, um mit den Ergebnissen was anfangen zu können, sondern gerade die, die
das nicht haben, die aber auch sich auf den Weg in Richtung Kreislaufwirtschaft machen.
Und denen bieten wir an, Lernformate auszuprobieren, bei sich zu integrieren, mit uns
zusammen zu lernen, wie zirkuläres Handeln funktioniert. Das heißt, wenn ich in Verantwortung
im Unternehmen bin und für mich klar habe, ich will und muss mich in Richtung
Kreislaufwirtschaft, zirkulärem Handeln auf allen Ebenen entwickeln und ich weiß noch nicht so
richtig wie, dann bin ich bei Piquali genau richtig und entsprechend auch bei PIQUALI FM, weil die
Inhalte aus dem Projekt hier genau aufbereitet werden. So würde ich das zusammenfassen.
Das machen wir beide nicht alleine. Wir beide sind MitarbeiterInnen desZukunftsforschungsinstituts Karls Zukunft. Zum Glück machen wir es nicht alleine, weil in der
Kooperation liegt ja Spannung, Herausforderung, Bereicherung.
In so einem Projekt arbeiten unterschiedliche Perspektiven mit. Du hast einen Überblick, Luise,
wer alles mitmacht. Ich würde vorschlagen, wir lassen die Leute aber einfach sich selber
vorstellen.
Also ab das Band. Mein Name ist Martin Wittau. Ich bin Präsident der Bundesvereinigung
Nachhaltigkeit.
Ich selbst bin Projektkoordinator. Das heißt, ich führe sozusagen alle Stränge zusammen. Ich
koordiniere wirklich die unterschiedlichen Aufgabenpakete, gucke, dass das Zeitmanagement
stimmt und so weiter.
Also klassische Projektsteuerung, wenn man so will. Meine Organisation ist zuständig für die
curricularen Grundlagen und für die didaktischen Grundlagen, denn es geht darum, Module zu
entwickeln, die in den Unternehmen geschult werden können. Und dazu braucht es natürlich die
entsprechenden pädagogischen Grundlagen und Voraussetzungen.
Ja, mein Name ist Michael Namokel. Ich bin Vizepräsident der DIPLOMA Hochschule Private
Fachhochschule Nordhessen. Gleichzeitig bin ich Dekan des Fachwerks Technik.
Von Hause aus Ingenieur, durch und durch Elektroingenieur. Heute ist alles miteinander
verkriegt. Das heißt, ganzheitlich unterwegs.
Deswegen mag ich gerne intelligente Systeme. Und das ist auch das, was die Zeit so bewegt. Ja,
wir selbst sind an einer Hochschule angewandten Wissenschaften.
Heißt, wir sind also sehr eng verkriegt mit der Industrie. 70 Prozent der Abschlussarbeiten sind
sowieso mit oder in der Industrie. Heißt, wir wissen, was die Industrie bewegt, wie man auch
kleine und mittlere Unternehmen führen bzw.
leiten muss, damit man also bestimmte Erfolge erzielt. Und da sind wir sehr stark daran, eben
halt diese Industriepraxis mit neuen Ideen zu verknüpfen, weil es heißt ja, dass hier neue Ideen
bzw. neue Vorgehensweisen etabliert werden müssen, die Kreislaufwirtschaft mitdenken und
zwar from the scratch, also vom Ursprung aus.
Und das ist natürlich unsere Stärke, dass wir dann die Praxis, die Unternehmen auch sehen, mit
diesen neuen Inhalten in dem Change Management mit berücksichtigen können und dann auch
beurteilen können, letzten Endes, ob das, was rauskommt, auch eine Wirkung erzielt. Mein Name
ist Sven Damm. Ich komme von Linnaeus, dem Kompetenzzentrum Hanf.
Wir sind dafür verantwortlich oder zuständig, dass das, was wir theoretisch erarbeiten, auch in
die Betriebe kommt. Das heißt, wir vertesten die unterschiedlichen Module, die wir verarbeiten inden Betrieben, schauen, ob wir damit den Mehrwert, den wir uns erhoffen, erreichen, ob er auch
umsetzbar ist in den Betrieben und ziehen daraus entsprechend die Learnings, die wir
zurückspielen in die Organisation oder in das Projekt, um das Projekt dann weiter zu verbessern,
weiter zu optimieren. Soweit also der Kreis der Beteiligten aus unterschiedlichen Organisationen.
Wenn ich mir die Projektunterlagen vornehme, die sollen ja eine gewisse Bedeutung haben für so
ein Projekt, dann springt mich ein Stichwort mehr an als viele andere darin, weil es auch
überraschend ist. Da steht das Stichwort Raumfahrt drin. Warum und wie gibt es jetzt einen
Zusammenhang zwischen dem Thema Raumfahrt und dem Thema Kreislaufwirtschaft und wenn
wir das dann auch noch praxisnah machen wollen? Also Luise, hilf mir.
Die Raumfahrt ist ja eigentlich die ultimative Blaupause für das Thema Kreislaufwirtschaft. Denn
im All, da sind die Ressourcen extrem knapp. Wir müssen alles mit nach oben nehmen, was wir
brauchen.
Wir können nichts verschwenden. Wir sind ein Team dort oben, was zusammenarbeiten muss.
Es muss einfach funktionieren.
Ist im Grunde wie so eine Art Reallabor. Also eigentlich unter den härtest vorstellbaren
Bedingungen, oder? Auf jeden Fall. Raumfahrt bietet ganz viele Vorteile für Piqualet.
Einmal, ich glaube, man kann sich das relativ einfach vorstellen, wenn so eine Raumkapsel im All
ist, ist das ein absolut geschlossener Kreislauf. Da geht nichts rein, nichts raus, bis es wieder
zurück zur Erde geht. Und das ist tatsächlich der, ja eigentlich schon der Ernstfall, an dem wir
proben oder üben.
Und in diesem Ernstfall kommen ganz, ganz viele Gewerke, Perspektiven, Themen, Materialien.
Da kommt ganz, ganz viel zusammen, wie es wirklich so eine Raumkapsel einmal im Orbit ist.
Und das ist auch unser ganz großer Hebel und unsere Perspektive zu sagen, hey, wie kriegen
wir es hin, ein breites Spektrum an relevanten Playern so in eine Gemeinschaft zu führen, dass
sie wirklich PIQUALI oder Kreislaufwirtschaft ermöglichen? Wenn wir an Raum verdenken,
denken wir meistens an so Raumschiffe, Raumlabore, die oben im Orbit kreisen, möglicherweise
eine Mondstation.
Das sind alles Systeme, die unabhängig von der Erde sind, das heißt sehr autark, das heißt auch
sehr geschlossen. Und hier muss man schon von vornherein an Kreislauf denken, an allem, was
man macht. Das Wasser muss wiederverwertet werden, die Nahrung muss wiederverwertet
werden, die Luft wird wiederverwertet und so weiter und so fort.
Wenn wir uns das anschauen, ist das das eine. Die andere Sache ist, woraus bestehen denn
solche Raumfahrzeuge? Das sind im Wesentlichen Materialien, die durch Zulieferer hergestellt
werden, die von dem Automobilbereich über Elektronik, über IT, über Materialfragen und so
weiter und so fort Komponenten liefern. Und diese verschiedenen Zulieferer sind sehrcrosssektoral.
Das heißt also, sie haben verschiedene Sektoren und nicht bloß Raumfahrt als Sektor. Und wir
glauben, dass hier noch in diesem Zulieferern oder in diesem Bereich Schulungsbedarf besteht.
Und wir glauben daran, dass wir mit diesem cross-sektoralen Ansatz schon die Grundlage dafür
liefern, dass wir das später in eine Breite bringen können, in andere Sektoren bringen können.
Das ist praktisch bereits während des Projektes der Proof of Competence, wenn man so will.
Soweit Sven Damm vom Linnaeus Kompetenzzentrum Hanf und Martin Wittau von der
Bundesvereinigung Nachhaltigkeit. Das All zeigt uns, was technisch und systemisch möglich ist.
Aber wie kommt das in die Köpfe und die Arbeitsprozesse der Beschäftigten? Der spezielle
Hebel ist, dass wir direkt Führungskräfte ansprechen, also den Managementbereich, das
Managementlevel und Fachkräfte, also Menschen, die bereits im Unternehmen tätig sind an
entscheidenden Positionen, zum Beispiel im Einkauf und so weiter und so fort, in der Produktion.
Bisherige Projekte haben immer zum Ziel gehabt, Azubis und Ausbildungspersonal im
Themenfeld Nachhaltigkeit zu schulen, zu trainieren. Da haben wir aber relativ schnell gemerkt,
dass das nicht immer der entscheidende Bereich ist, der zu einem Durchbruch im Unternehmen
führt.
Also müssen wir die Management-Ebene und die Eigentümer-Ebene auch ansprechen. Was ein
weiteres Element ist, ist, wir haben in bisherigen Projekten sehr stark gemerkt, dass es Barrieren
gibt, dass es Zögerungen gibt, dass es Hinderungsgründe gibt, warum man nicht in die
Transformation gehen kann. Das ist klassisch psychologisch.
Das heißt, wir werden auch psychologische Elemente mit in das Projekt einbringen in der
Schulung, die eben dabei helfen, nicht nur die eigenen Barrieren zu überwinden, sondern auch
andere dann zu motivieren, ihre Barrieren nochmal zu überdenken bzw. man spricht ja immer
von Glaubenssätzen, also ihre Glaubenssätze, das ist das, was bisher gemacht wurde, so haben
wir es ja schon immer gemacht, abzulegen und zu gucken, was kann man neu machen, damit wir
am Markt weiter bestehen können. Das sagt Martin Wittau von der Bundesvereinigung
Nachhaltigkeit.
Wir haben am Anfang schon gesagt, 33 Monate läuft dieses Projekt. Das ist nach allen
Maßstäben ein ziemlicher Marathon. Und natürlich haben wir uns die Frage gestellt, woran
merken wir eigentlich, dass wir erfolgreich sind? Und dazu würden wir gerne transparent
machen, welche Gedanken bei den Projektpartnern da prägend sind.
Ja, man muss den Mindset-Change hinbekommen von der linearen Ökonomie, das heißt also
rein vom Güterverbrauch oder Gütererzeugung zum einmaligen Verbrauch in einen Kreislauf
denken hinein. Das Kreislauf denken muss in alle Prozesse, in alle Teile sozusagen der
Werteerstellung mit hineingedacht werden. Und wenn dieser Mindset-Change also erreicht
wird und dieses Denken beginnt, um das letztendlich zu realisieren, haben wir viel erreicht.Wir werden nicht erreichen, dass alles von Grund auf umgekrempelt wird. Das geht natürlich in
der Kürzezeit nicht. Aber diesen Mindset-Change, den kann man befeuern.
Und wenn wir das für viele Unternehmen schaffen, das eben halt in Gang zu bringen, haben wir
viel erreicht und dann haben wir die 33 Monate auch extrem gut genutzt. Damit ist mit dieser
ersten Folge der Grundstein gelegt, mit dem wir die Ergebnisse und die Arbeit aus dem Projekt
PIQUALI transparent machen. Ich erspare mir jetzt den Karlauer, dass dieser Grundstein
wahrscheinlich aus Hanf sein wird.
Aber wir sind mitten im Bereich der Kreislaufwirtschaft unterwegs. Wer dazu Ergänzungen hat,
Hinweise, Fragen, bitte kommt direkt auf uns zu, meldet euch. Jede Form von Dialog und
Kommunikation ist hilfreich.
Und alles Weitere findet ihr auf unseren Social Medias und auf piquali.de. Das empfehlen wir. Da
gibt es Informationen zu den PartnerInnen. Da gibt es selbstverständlich die weiteren Episoden
dieses Podcasts.
Und da wird man dann auch unsere wunderbaren Stimmen wieder hören. Wir sind Michael Carl
und Luise Angermann. Das war PIQUALI FM. Das Projekt PIQUALI wird im Rahmen des Programms
„Nachhaltig im Beruf – zukunftsorientiert ausbilden (NIB)“ durch das Bundesministerium für Bildung,
Familie, Senioren, Frauen und Jugend und die Europäische Union über den Europäischen
Sozialfonds Plus (ESF Plus) gefördert.